"Die Bewerbung zur Landesgartenschau 2017 war eine CDU-Idee - Andreas Bee war anfangs skeptisch"

Großes Interview mit Herbert Gruber, dem CDU-Ratsvertreter im Landesgartenschau-Organisationsteam

21.07.2011, 19:49 Uhr

„CDU Engagement „Landesgartenschau“ wird für Bad Lippspringe zu einer großen Chance!“

Interview zur Vergabe der Landesgartenschau 2017 mit Diplom Forstwirt Herbert Franz Gruber (CDU), dem Ratsvertreter im Landesgartenschau-Organisationsteam, über die Gründe für den Zuschlag zur LGS und darüber, wie es jetzt in den Planungen weitergehen wird.

Frage: Herr Gruber, Sie haben als Vertreter des Bad Lippspringer Rates und gleichzeitig natürlich auch als Forstbotaniker und Fachredakteur im Planungsgremium für die LGS-Bewerbung mitgearbeitet. Was ist Ihr Fazit nach der Entscheidung für Bad Lippspringe?

 

Herbert Franz Gruber: Zunächst bin ich – wie ausnahmslos alle Beteiligten in Stadt, Rat, Verwaltung und Bürgerschaft – überglücklich, dass wir das große Ziel einer Landesgartenschau in Bad Lippspringe erreicht haben. Aber vor allem bin ich stolz über die Art und Weise, wie dieser Erfolg zustande gekommen ist: nämlich durch die vorbildliche und überzeugende Zusammenarbeit aller Kräfte in unserer Stadt!

 

Frage: Dann war die Entscheidung pro Bad Lippspringe für Sie also keine Überraschung?

 

Gruber: Überrascht kann man nur sein, wenn etwas Unerwartetes passiert. Wir wussten, dass es vier starke Bewerbungen um die LGS gab, doch wir wussten auch um unsere eigene Stärken und die Qualität unserer Bewerbung. Dass die Entscheidung letztlich zu unseren Gunsten ausfiel, ist phantastisch für unsere Stadt, aber kein Zufall, denn wir haben unsere Hausaufgaben im Vorfeld der Bewerbung sehr gut gemacht.

 

Frage: Ein erfolgreiches Konzept, eine engagierte Vorbereitung und dazu eine hoch motivierte Bürgerschaft – sind das also die Schlüssel zum Erfolg?

 

Gruber: Ja, natürlich. Doch dieser Erfolg hat ganz viele Ursachen, die nicht nur in der jüngsten Vergangenheit oder nur bei den heute Aktiven zu suchen sind. Bad Lippspringe hat schon mit der Teilnahme am europäischen Wettbewerb Floral Entente 2005 unter dem Titel „Unsere Stadt blüht auf“ erste Erfahrungen gesammelt und bewiesen, was in diesem Ort möglich ist. Die Anregung zur Teilnahme kam übrigens vom damaligen CDU-Ratsherrn Georg Schulte – sein Vorschlag wurde sofort von allen Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Öffentlichem Leben mitgetragen und befördert. Ähnlich ist es nun heute mit der LGS. Wir sollten nicht vergessen, dass die Entscheidung zur LGS-Bewerbung u.a. von dem damaligen Wirtschaftsförderungsausschuss – Vorsitzenden Ulrich Lange (CDU) vorgeschlagen und vom letzten Rat unter Altbürgermeister Willi Schmidt in großer Einmütigkeit beschlossen wurde.

 

Frage: Zu Beginn der neuen Legislaturperiode herrschte bei den neuen Mitgliedern im Rat nicht 100 %ige Zustimmung zu den Plänen der LGS, oder?

 

Gruber: Im letzten Wahlkampf drohte das Thema Landesgartenschau zunächst hinter anderen, wichtigen Themen zurückzustehen. Auch glaube ich, dass die CDU damals von vielen Bad Lippspringer Bürgern mit dem Ansinnen, eine Landesgartenschau nach Bad Lippspringe zu holen, zunächst noch nicht wirklich ernst genommen wurde. Wir waren seinerzeit die einzige Partei, welche die Landesgartenschau im Wahlkampf offen thematisiert hat. Als wir vor der Wahl an unseren INFO-Ständen in der Fußgängerzone kleine Buchsbäumchen als Werbung für die Landesgartenschau verteilten, wurden wir von einigen Bürgern noch sehr skeptisch beäugt.

 

Auch Bürgermeister Andreas Bee machte anfänglich keinen Hehl daraus, dass er dieser Bewerbung sehr skeptisch gegenüber stand. Dasselbe galt für viele neue Ratsmitglieder, die den einhelligen Beschluss des alten Rates zunächst nicht ganz nachvollziehen konnten.

 

Frage: Was war dann für den einstimmigen und maßgeblichen Ratsbeschluss vom 20. Dezember 2010, sich für die Landesgartenschau zu bewerben, die entscheidende Voraussetzung?

 

Antwort: Wir sind uns heute alle darüber einig, dass der endgültige Erfolg unserer Bewerbung sehr auf die Machbarkeitsstudie unter der Leitung unserer Landschaftsarchitektin Ina Bimberg zurückzuführen ist. Sie nach Bad Lippspringe zu holen, war wohl die wichtigste politische Entscheidung vor der Bewerbung! Als Redakteur und Mitarbeiter verschiedenster Garten-Fachzeitschriften wusste ich von Frau Bimbergs exzellenten Ruf. Ich bin deshalb insbesondere den Mitgliedern des Bau-Ausschusses und des Wirtschaftsförderungs-Ausschusses dankbar, dass sie damals meinem Vorschlag, Frau Bimberg für eine Vorstellung ihres Konzeptes nach Bad Lippspringe zu holen, einstimmig gefolgt sind.

 

Frage: Die bisherigen Gartenschauen haben ihre jeweiligen Ausrichterstädte enorm beflügelt. Ist ein solcher Erfolg jetzt auch in Bad Lippspringe vorprogrammiert?

 

Gruber: Ganz sicher nicht. Den Zuschlag für 2017 zu bekommen ist eine Sache – bis 2017 eine überzeugende Gartenschau in unserer Stadt zu realisieren, wird die ungleich größere Aufgabe werden. Ich bin aber überzeugt, dass wir auch diesen Schritt mit Bravour gehen werden. Wenn wir die vorhandene Expertise mit den großen Möglichkeiten Bad Lippspringes kombinieren, die in Form unserer Quellen, unserer Parks, unseres Kurwaldes, unserer Stadt und vor allem durch das Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger  bestehen, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass die Landesgartenschau uns allen zusammen eine großartige Chance zur dauerhaften Weiterentwicklung unserer Heimatstadt eröffnet.

 

Frage: Ein wichtiger Punkt ist stets die Frage nach der Nachhaltigkeit – was kann Bad Lippspringe nach 2017 von der LGS erwarten?

 

Gruber: Die bestehenden Planungen berücksichtigen natürlich auch die langfristigen Effekte einer Gartenschau, denn der Aufwand, den wir hier betreiben, muss ganz einfach auch Langzeitnutzen für unsere Stadt haben. Aber ich erinnere nochmals an 2005: Damals hat sich Bad Lippspringe den Ruf als „Blumenstadt“ erworben, der bis heute anhält. Neben den städtischen Blumendekorationen sind es insbesondere die unzähligen kleinen Projekte von Vereinen, Institutionen und Privatperso-nen, die diesen Ruf begründet haben – auch die CDU hat zum Beispiel über mehrere Jahre hinweg den Rosengarten am Schulzentrum im Bruch gepflegt. Deshalb bin ich sicher, dass es uns gelingen wird, auch über 2017 hinaus viele positive Effekte aus der LGS für unsere Stadt zu generieren.

 

Frage: Wie geht es nun weiter – was sind die nächsten Schritte auf dem Weg zur LGS 2017?

 

Gruber: Auf dem Weg zur Landesgartenschau wird die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege - NRW (LAGL) für Bad Lippspringe einen Geschäftsführer benennen. Desweiteren wird es auf Basis der Machbarkeitsstudie einen Wettbewerb für Landschaftsarchitekten geben. Unsere Aufgabe ist es, die Wünsche und Anregungen unserer Bürger in diese Planungen einzubringen. Ich habe jetzt einen dicken Stapel jener Ideenkarten vor mir liegen, die wir während der Bewerbungsphase und auch noch danach bei den Bad Lippspringer Bürgern verteilt haben. Die müssen nun ausgewertet und mit den Ideengebern muss Kontakt aufgenommen werden. Nach wie vor nehmen wir gern weitere Anregungen entgegen und ich möchte insbesondere unsere Jugend auffordern, Wünsche an die Landesgartenschau zu äussern. Eine Landesgartenschau ist, wie man so schön modern sagt, ein „Mega-Event.“

 

Frage: Kann man schon vor 2017 mit sichtbaren Projekten in Bad Lippspringe rechnen?

 

Antwort: Als Projekte, die noch vor 2017 fertig gestellt werden könnten, ist beispielsweise die Anbindung Bad Lippspringes an die „Landesgartenschau-Route“. Das ist ein Radweg, der vom Schloss- und Auenpark in Schloss-Neuhaus über die Flora Westfalica in Rheda Wiedenbrück, Rietberg, den Vierjahreszeiten-Park in Oelde und den Maxipark in Hamm bis zum Seepark nach Lünen führt. Überall dort gab es Landesgartenschauen. Wir bräuchten also nur einen attraktiven Radweg von unserem künftigen Landesgartenschau-Gelände nach Schloss Neuhaus – ich denke das lässt sich machen! Auch möchte ich schon vorab meinen Plan von einem „Therapeutischen Waldlehrpfad“ im Kurwald realisieren. Ich habe zu diesem Zweck Gespräche mit mehreren potentiellen Sponsoren aus der Pharmaindustrie aufgenommen und kann sagen, dass das Interesse an einer Unterstützung groß ist! Bad Lippspringe wird schon vor 2017 aufblühen, da bin ich mir ganz sicher. Bad Lippspringe hat hierzu jetzt eine einmalige und riesengroße Chance, die es klug zu nutzen gilt!“

 

 

Herr Gruber, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!