Auguste Viktoria Klinik

10.08.2020

 EIN HERZENSPROJEKT

Der Erhalt der Auguste-Viktoria-Klinik

Es ist still geworden um die ehemalige Auguste-Viktoria-Klinik (AVK), einst imposante Visitenkarte von Bad Lippspringe. Seitdem das Gebäude 2013 aufgegeben wurde, schreitet der Verfall unaufhörlich voran. Der nun mittlerweile sieben Jahre dauernde Dornröschenschlaf droht in einem Albtraum zu enden. Das will eine Investorengruppe verhindern.

Die Auguste-Viktoria-Klinik ist ein Haus mit Geschichte. Vor genau 120 Jahren fand im Beisein zahlreicher Ehrengäste und Schaulustiger die feierliche Grundsteinlegung der einstigen Lungenheilstätte statt. Einen Grund, dieses runde Jubiläum heute zu feiern, gibt es nicht. 2013 wurde der Klinik-Komplex durch das Medizinische Zentrum für Gesundheit aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben. „Sieben Jahre Leerstand tun einem Gebäude nicht gut“, betont Ulrich Lange, der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion im Kreis Paderborn. Er hat eine besondere Beziehung zur „Auguste“, weil er in ihrer Nachbarschaft aufgewachsen ist.

„Mit jedem Tag, der ungenutzt vergeht“, so befürchtet Lange, „werden die Schäden an der Bausubstanz größer.“ So sei das Dach des einstigen Klinikgebäudes bereits an einigen Stellen undicht. Regenwasser sickere ungehindert in das Innere. Nächtliche Gewaltexzesse und Sachbeschschädigungen ungebetener Gäste täten ihr übriges. „Wenn nicht bald etwas unternommen wird, ist der endgültige Verfall der Auguste nicht mehr zu stoppen“, zeigt sich Lange überzeugt. In seiner Einschätzung sieht sich der CDU-Politiker mit einer Investorengemeinschaft heimischer Unternehmern einig. „Die Gruppe ist über die Mittelstandsunion an mich herangetreten und hat mich um Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Pläne gebeten“, sagt Lange. „Das habe ich natürlich gerne getan.“

Bei der Ankündigung ist es nicht geblieben. Erste Gespräche mit der Stadt Bad Lippspringe – Eigentümerin der ehemaligen Klinik – haben nach Aussage Langes bereits stattgefunden. Dabei wurden unter anderem verschiedene Investorenmodelle diskutiert. Auch ein erstes konkretes Nutzungskonzept der möglichen Investoren liegt vor – eigens erstellt von einem beauftragten Ingenieurbüro. Lange spricht in diesem Zusammenhang von „sehr innovativen wie gleichermaßen kreativen Ideen und Vorschlägen“.

Die möglichen Investoren möchten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht namentlich genannt werden. „Erst wenn die laufenden Gespräche mit der Stadt Bad Lippspringe tatsächlich zu greifbaren Ergebnissen führen, wollen sie gemeinsam an die Öffentlichkeit treten“, erläutert Lange weiter. Nur soviel ist ihm aktuell zu entlocken: „Es handelt sich um renommierte Unternehmer, die allesamt in Bad Lippspringe und im Kreis Paderborn einen sehr guten Ruf genießen.“

Wie Lange weiter berichtet, wollen die Investoren das gesamte Hauptgebäude der AVK in ihr Nutzungskonzept einbeziehen. Diese Ankündigung überrascht etwas: Denn die ehemalige Klinik hat eine Länge von immerhin 270 Metern; eine Vermarktung schien deshalb bisher sehr schwierig zu sein. Mit dem jetzt vorliegenden Konzept ist das Ziel verbunden, ein „neues Quartier in historischer Umgebung“ (Arbeitstitel) zu schaffen, in dem sich Jung und Alt gleichermaßen wohlfühlen sollen. Keine Frage, die Investoren haben offensichtlich Großes vor. Allein die künftige Nutzfläche in der AVK wird von dem beauftragten Ingenieurbüro mit etwa 7800 Qua- dratmetern angegeben. Die vorliegenden Planungen gehen von einer zentralen Überlegung aus: Mit dem neuen Baugebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zur AVK werden auch viele Familie mit Kindern in die Badestadt ziehen. Der Bau einer neuen Kita ist deshalb auch nach Einschätzung des Rates zwingend erforderlich.„Das Erdgeschoss im ehemaligen ­Klinikgebäude wäre der ideale Platz für eine solche Kindertagesstätte“, ist Lange überzeugt. Am AVK-Standort wollen die Investoren auch die Idee von einem Mehrgenerationenhaus verwirklichen. So böte das großzügig gestaltete Erdgeschoss zusätzlich Raum für eine Senioren-Wohngemeinschaft und eine Tagespflege für ­Senioren.

Aber das ist noch nicht alles: In dieser Etage wäre auch ausreichend Platz für ein so genanntes „Repair-Café“, in dem am Nachmittag nicht nur Kaffee und Kuchen serviert werden. Wer Lust hat, findet hier auch geeignetes Werkzeug, um beispielsweise sein kaputtes Fahrrad oder defekte Haushaltsgeräte zu reparieren.

Die beiden Etagen darüber sind hauptsächlich als Wohnbereiche konzipiert mit Appartements und Seniorenwohnungen. Und auch das ist den Investoren nach eigenem Bekunden wichtig: Die AVK soll in Zukunft gleichzeitig ein Ort des Lehrens und Lernens sein, aber auch die Türen für Kunst und Kultur (Atelier/Ausstellungen) weit öffnen. Auch das Kellergeschoss haben die Planer in ihre Überlegungen mit einbezogen. „Dieser Bereich könnte vor allem externen Dienstleistern zur Verfügung stehen“, weiß Lange weiter zu berichten.

Ein lebens- und liebenswertes Quartier zeichnet sich nach Meinung der Investoren zusätzlich durch einen attraktiven Außenbereich aus. In der naturnahen Umgebung der AVK könnte unter anderem ein Landschaftsgarten mit Imkerei und Kräutergarten neu entstehen. Und natürlich darf ein weitläufiger Kinderspielplatz nicht fehlen.

„In der Auguste steckt tatsächlich viel Potenzial“, so Lange abschließend. „Man muss es nur richtig nutzen und weiterentwickeln. In den Plänen der Investorengruppe sehe ich die reale Chance, das historische Gebäude langfristig mit neuem Leben zu füllen.“

Wie berichtet, tritt Ulrich Lange bei der Kommunalwahl am 13. September als Bürgermeisterkandidat in Bad Lippspringe an. Er verspricht: „Im Fall meiner Wahl hat dieses Projekt oberste Priorität. In diesem Zusammenhang denke ich auch an die Familien, die demnächst in Nähe der AVK bauen werden und nicht auf eine Ruine schauen wollen.“